Trier | 19. Mai 2017 | Autor: Verona Kerl

Korken, Cuvées und knifflige Fragen (Video)

Drei Winzerbetriebe, 24 TV-Leser, 100 Fragen: Zum Abschluss der Serie Weinstadt Trier kommen Weinmacher und Kunden zu einer Probe im Verlagsgebäude zusammen und diskutieren lebhaft. Ein Trierer macht an diesem Abend einen höchst brisanten Vorschlag.
Trier Versuchungen sollte man nachgeben, wer weiß, ob sie wiederkommen: Oscar Wilde wusste, wovon er sprach. Einen guten Wein verschmähte der irische Schriftsteller selten. Ebenso wie die 24 TV-Leser, die zur exklusiven Weinprobe ins Verlagsgebäude reisten. Drei Trierer Betriebe, die Bischöflichen Weingüter, das Weingut Schleimer und das Weingut Gehlen hatte der Trierische Volksfreund dazu eingeladen. Doch wie gut schmeckt ein typischer Trierer Wein?

Der Auftakt: Reporterchef Michael Schmitz ist neugierig. "Ist der Bischof ein strenger Chef?" will er von Alexander Jelen, Vertriebs- und Marketingleiter der Bischöflichen Weingüter wissen. "Nein", schüttelt der den Kopf. "Der Bischof hält sich im Hintergrund. Die Verantwortung liegt beim Kellermeister und seinen Mitarbeitern."

Die Winzerbetriebe: Immerhin 130 Hektar bewirtschaften die Bischöflichen Weingüter an Mosel, Saar und Ruwer. Zu 90 Prozent wird Riesling angebaut. Eine beachtliche Menge Wein kommt da zusammen. Dass trotzden nicht alle Pfarreien im Bistum ihren Messwein vom Bischof beziehen, um den Absatz zu fördern, findet Jelen nicht besonders tragisch. Solche Probleme sind Sandra und Peter Schleimer vom gleichnamigen Weingut fremd, das sie in der dritten Generation bewirtschaften. "Wir haben 3,5 Hektar, arrondiert am Haus mit verschiedenen Rebsorten von Riesling über Burgunder bis hin zu Gewürztraminer. Unser Vertrieb läuft in kleineren Bahnen", schmunzelt Peter Schleimer. Seinem Betrieb ähnlich ist der von Wilhelm Gehlen, der auf 4,4 Hektar Riesling und Burgundersorten anbaut, ebenfalls in der dritten Generation und der eine besondere Beziehung zu den Bischöflichen Weingütern hat. "Dort habe ich nämlich gelernt."

Die Weine: Ob sich wohl seine Weine mit denen des Bischofs messen können? Jelen schenkt aus: "Einen trockenen Domriesling, Jahrgang 2016, 12 Prozent Alkohol, neun Gramm Restzucker." Die Leser nicken wohlwollend. "Der Domriesling ist everybody’s darling. Die Domriesling-Serie haben wir für die Gastronomie und den Lebensmitteleinzelhandel entwickelt. Auch unser Fritz-Willi-Wein (das ehemalige Stiftungsweingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium wurde 2004 von den Bischöflichen Weingütern übernommen Anm. d. R.) eignet sich gut für die Szenegastronomie."

Wilhem Gehlen kontert mit einem Grauburgunder von 2016 aus dem Jesuitenwingert. "Sieben Gramm Restzucker, 12,5 Prozent Alkohol. Ein klassischer trockener Wein mit wenig Säure und sehr bekömmlich." Zustimmendes Nicken. Auch Peter Schleimer bietet in der ersten Runde einen Burgunder an. "Ein feinherber Weißburgunder, Jahrgang 2015, mit 22 Gramm Restzucker", und merkt an: "Der beste Wein ist immer der, der ihnen schmeckt." Prost!
Vermarktung: Sieben Weine schenken Jelen, Schleimer und Gehlen an diesem Abend aus. Alle munden unterschiedlich. Doch die Jahrgänge wollen an den Kunden gebracht werden. Da sind Marketing-Strategien gefragt. "Keiner kauft heute mehr riesige Mengen", hat Gehlen festgestellt, was einige TV-Leser bestätigen. Was für Gehlen und Schleimer kein Problem darstellt, weil sie ihre Produktion nur an Privatkunden absetzen, sieht bei den Bischöflichen Weingütern anders aus. "Mit Domriesling-Serie und Fritz-Willi erschließen wir neue Vertriebskanäle und Zielgruppen. Außerdem verkaufen wir an Privatkunden, haben einen Online-Shop und versenden bundesweit Mailings", sagt Jelen.

Fragen und Ideen: Was das Marketing angeht, hat ein TV-Leser eine zündende Idee: "Haben Sie mal daran gedacht, 2018 einen Karl-Marx-Wein zu machen, Herr Jelen? Immerhin ist Karl Marx doch aufs Friedrich-Wilhelm-Gymnasium gegangen." Ob der Bischof allerdings mit Religionskritiker Marx werben würde? Wohl kaum. Eugenie Müller aus Pluwig erkundigt sich über Weinseminare, ein anderer Besucher will wissen, warum in der Olewiger Winzervereinigung nur vier Winzer sind.

Weinstadt Trier: Eine Frage, die geradewegs zum Thema Weinstadt Trier führt. "Ja, der Club ist sehr begrenzt", bestätigt Peter Schleimer. "Es wäre schön, wenn noch mehr Winzer dabei wären. Man könnte in Trier sehr viel auf die Beine stellen, aber die Stadt hat uns Winzer jahrzehntelang nicht beachtet." "Stimmt", sagt Gehlen, "wir sollten mal darüber nachdenken, wie wir uns für die Zukunft gemeinsam aufstellen." Immerhin, da sind sich alle einig, sei die Initiative "Wine in the City" im Mai ein guter Anfang gewesen. Ein Leser ist sich sogar sicher: "Im nächsten Jahr wird das der Renner."

Zum Abschluss - hart aber fair: Am Ende will es Moderator Michael Schmitz noch einmal genau wissen und stellt eine geradezu perfide Frage: "Welchen Wein Ihrer Kollegen würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?" Alexander Jelen antwortet brav: "Den Riesling aus dem Jesuitenwingert von Wilhelm Gehlen. Der ist erfrischend, leicht und gut zu trinken." Der Geehrte selbst weicht mit seiner Antwort aus: "Also ich würde den Riesling mit der meisten Säure mitnehmen." Peter Schleimer hingegen will gleich einen ganzen Rebstock verschiffen. Nur eins muss er sein: typisch trierisch.
 
Extra: LEXIKON DES WEINES: A WIE ABGANG

Oft diskutieren Kenner über den Abgang des Weines. Dabei spricht ein langer Abgang stets für dessen gute Qualität. Wer Wein verkostet, schwenkt den Wein im Glas, riecht ihn und schluckt. Der Nachhall, also das, was an Geschmack im Mund bleibt, nachdem man den Wein heruntergeschluckt hat, heißt in der Fachsprache Abgang. Je länger man das Aroma des Weines im Mund spürt, desto besser. Der Geschmack im Gaumen (ab dem Schlucken) wird in Caudalies (Abgang in Sekunden) gemessen, ein Abgang von 20 Caudalies wird als gut eingestuft. Der Abgang wird auch Finale, Nachhall oder sogar Schwanz genannt.