Trier | 19. April 2017 | Autor: Lucas Blasius

Wildschweine sorgen in Trier-Tarforst für Ärger

Wildschweine zerwühlen im Tarforster Neubaugebiet Gärten, Spaziergänger fürchten um ihre Sicherheit. Weder Stadt noch Jagdpächter wissen eine Lösung. Anwohner sehen nur einen Ausweg. Doch der missfällt ihnen selbst.
Immer wieder wacht Wolfgang Stolz nachts auf, weil er komische Geräusche vor seinem Haus hört: quieken, scharren, knurren und stampfen. Am nächsten Morgen sind die Spuren deutlich zu sehen. Die Wiese hinter seinem Grundstück im Tarforster Neubaugebiet ist bis zu 30 Zentimeter tief umgepflügt. Im Frühjahr sei das Problem besonders groß, erklärt Aloys Dietzen, Jagdvorsteher für Tarforst und Filsch: "Im Herbst finden die Wildschweine genügend pflanzliche Nahrung im Wald. Im Frühjahr jedoch sind sie auf tierische Nahrung angewiesen und graben daher in den Wiesen nach Würmern."

Anwohner wie Wolfgang Stolz fürchten, dass die Schweine auch ihr Grundstück verwüsten, und ergreifen Gegenmaßnahmen: "Ich bin eigentlich kein Freund von Zäunen, aber zu meinem Schutz musste ich einen Zaun um meinen Garten aufstellen." Denn wenn Schäden auf dem privaten Grundstück entstehen, müssen die Bewohner nach Informationen der Stadt Trier selbst dafür aufkommen. Und an Technologien wie Bewegungsmelder mit Licht oder Ton gewöhnen sich die Tiere schnell.

Doch auch die Stadt selbst muss Schäden durch die hungrigen Wildtiere hinnehmen. So ist ein Spielplatz am Trimmelter Hof vollkommen zerwühlt, Schweinekot liegt herum.

Der Ortsvorsteher von Tarforst, Werner Gorges, hat die Stadt mehrfach auf das Thema und dieses Beispiel aufmerksam gemacht, wie er erzählt: "Die Tiere kommen jetzt schon bis an die Häuser heran. Es entstehen nicht nur Kosten, es steigt auch die Gefahr von Zusammenstößen zwischen Menschen und Schweinen." Mehrere Anwohner sagen, dass sie Angst vor den Tieren und ihrer Zerstörungskraft hätten. Es scheint nur Glück zu sein, dass es in letzter Zeit noch keine größeren Schäden oder folgenschwere Begegnungen gegeben hat. Die Stadt selbst ist sich des Problems bewusst, hat nach eigener Aussage aber bisher keine Gegenmaßnahmen geplant. Ähnliche Probleme tauchen immer wieder an den Stadträndern auf, dort, wo Trier in die umliegenden Wälder übergeht. Zuletzt waren beispielsweise der Kreuzweg in Trier-Ost, Mariahof, Pfalzel und Pallien betroffen.

Den Tarforster Ortsvorsteher Gorges stört bei dem Thema vor allem, dass er in der Stadt keinen zentralen Ansprechpartner für das Problem findet. Ähnlich ging es auch Wolfgang Stolz: "Ich habe geschaut und gesucht, aber niemanden gefunden, den ich für das Problem hätte anschreiben können."

Aloys Dietzen, Jagdvorstand für Tarforst und Filsch, sieht die Stadt auch nicht in der Pflicht: "Da helfen nur Treibjagden. Man muss jagen, jagen, jagen." Das ist jedoch nicht so einfach: "Die Jäger schießen schon so viel wie möglich. Aber sie müssen das Jagdgut auch noch verkaufen können." Zudem liefen die Wildschweine bis zu 30 Kilometer in einer Nacht und könnten so auch von weit weg kommen. Und dann sind da noch die Menschen: "Tagsüber kann man sowieso nicht schießen, da lässt sich kein Schwein blicken. Morgens und abends schon, aber ab sechs Uhr laufen Jogger durch den Wald. Und je mehr gebaut wird, desto weniger Lebensraum haben die Tiere." Laut Dietzen finden sich für die betroffenen Gebiete auch kaum mehr Pächter, die jagen wollen.

Eine direkte Lösung steht daher nicht in Aussicht: Die Stadt Trier kann keine Gegenmaßnahmen und keine zentrale Koordination des Problems anbieten, den Jägern fehlt es an Personal und Möglichkeiten.
Privates und öffentliches Eigentum leiden darunter und können höchstens präventiv mit einem Zaun geschützt werden. Derweil liegt es an jedem selbst, bei Spaziergängen vorsichtig zu sein und die Schweine nicht zum Beispiel durch Essensreste im Kompost auf das eigene Grundstück zu locken.