Schweich/Kenn/Trier | 14. Juli 2017 | Autor: Albert Follmann

Wenn die Ehranger Brücke dicht ist: Straßenplaner wollen den Verkehr für ein Jahr über Schweich lenken

Wegen Sanierungsarbeiten: Der Landesbetrieb Mobilität hat geplant, den Verkehr von der Ehranger Brücke über Schweich zu lenken. Außerdem sollen Ampeln an den Autobahnanschlüssen bei Kenn aufgestellt werden.
Den Umweg über Kenn kennen viele Autofahrer noch aus dem vergangenen Jahr. Wegen Sanierungsarbeiten an der Hunsrückseite der Ehranger Brücke war die dortige Zufahrt zur A 602 in Richtung Trier von Mai bis Dezember 2016 gesperrt (der TV berichtete).

Die Autofahrer mussten zunächst entgegengesetzt auf der Autobahn in Richtung Moseltaldreieck fahren und dann an den Anschlussstellen bei Kenn von der Koblenzer auf die Trierer Richtung wechseln. Eine ähnliche Umleitung hat der Landesbetrieb Mobilität (LBM) nun wieder auf dem Schirm. Dann aber nicht nur für einige Monate, sondern für mindestens drei Jahre – oder sogar dauerhaft.

Eine Verkehrsverlagerung werde wegen der Sanierung der Ehranger Brücke derzeit geprüft, sagt der LBM. Ab dem Frühjahr 2018 soll die Ehranger Brücke, die wichtigste Verbindung vom Moseltal in die Eifel, den Hunsrück und nach Luxemburg, saniert werden. Vier Bauabschnitte sind innerhalb von 39 Monaten dafür vorgesehen (siehe Info).

Statt zwei Fahrspuren in jede Richtung soll während der Sanierung nur ein Fahrstreifen auf der Brücke zur Verfügung stehen. Mit der Folge, so teilt der LBM mit, dass die Zufahrten von der B 53 aus den Richtungen Schweich und Trierer Hafen zur A 602, zur B 52 und nach Luxemburg zeitweise nicht aufrechterhalten werden können. Nach bisherigen Überlegungen soll der Verkehr über die B 53 nach Schweich und von dort weiter – je nach Fahrziel – zu den Autobahnanschlüssen Leinenhof oder Kenn umgeleitet werden (siehe Grafik).

Die Straßenplaner spielen mit dem Gedanken, an den Anschlussstellen der A 602 bei Kenn Ampeln aufzustellen. „Dadurch sollen „kritische Rückstauungen“ vermieden werden. 2016 habe man unter ähnlichen Bedingungen gute Erfahrungen gemacht, sagen die Straßenplaner. Die Ampelregelung habe sich zur Zufriedenheit der Verkehrsteilnehmer bewährt.

Diese Auffassung bestätigen einige TV-Leser in einer Facebook-Umfrage. „Beim letzten Mal hat es gut funktioniert“, sagt eine Autofahrerin. „Sehr gute Idee“, findet ein Leser, „die Kreuzung sollte dauerhaft Ampeln bekommen“. In der Tat könnten die Lichtsignale länger stehen als die Sanierung der Ehranger Brücke dauert. Denn der LBM bezieht die Einmündung nach Kenn (L 145/Bahnhofstraße), die sich unmittelbar neben der A 602-Anschlussstelle Richtung Koblenz befindet, in seine Überlegungen ein. Diese Ecke, aber auch der Bereich nebendran mit der Zufahrt zum Real-Markt bereitet den Straßenplanern Kopfzerbrechen. Gebeutelt sind dort vor allem die Linksbieger.

Wer in Richtung Ruwer möchte, egal ob aus Kenn kommend oder vom Markt, braucht oft viel Geduld und starke Nerven. Abhilfe könnten hier Ampeln und/oder Einbiegespuren bringen, glaubt der LBM. Ein Kreisverkehr sei wegen der geringen Abstände zu Gewerbegrundstücken und zur Autobahn eher unrealistisch, so der LBM. „Wir haben bei der Brückensanierung in Ehrang den schwarzen Peter“, sagt Kenns Ortsbürgermeister Rainer Müller. Auch ein anderes Verkehrsprojekt bereitet ihm Sorgen: der sechsspurige Ausbau der A 602 zwischen der Anschlussstelle Ehrang und dem Moseltaldreieck. Diesen prüft das Land als Alternative zur Nordumfahrung von Trier.

Mit einer Umsetzung ist aber so bald nicht zu rechnen. In ihrer Antwort auf eine Resolution des Ortsgemeinderats Kenn gegen den Autobahnausbau und die damit verbundene Verlegung der L 145 in Richtung Kenn hat das Verkehrsministerium mitgeteilt, diese Maßnahme sei nicht im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen enthalten.

Was die Ingenieure zur Moselbrücke sagen 

Der Zustand der Ehranger Moselbrücke (B 52) wird nach Prüfung durch Straßenbauingenieure mit „ungenügend“ bewertet, obgleich die Schäden nicht so groß sind wie befürchtet. Rost und Materialermüdung setzen dem Bauwerk zu. Neben Reparaturen am Unterbau soll die komplette Fahrbahn erneuert werden. Laut Planung wird die Ehranger Brücke ab Frühjahr 2018 für 39 Monate zur Baustelle. 2015 hatte der Landesbetrieb Mobilität (LBM) mitgeteilt, dass in spätestens 15 Jahren ein Neubau erforderlich sei. Die Ehranger Brücke ist 600 Meter lang und wurde 1968 fertiggestellt. Rund 35.000 Fahrzeuge passieren diese wichtige Verbindung Nord-Süd-Verbindung täglich. Umwege und Staus sind programmiert Es wird einem angst und bange, wenn man daran denkt. Aber alles Lamentieren nützt nichts: Irgendwann muss die Ehranger Brücke saniert werden, und ab Frühjahr 2018 ist es so weit und wir müssen da durch. Mehr als drei Jahre

Umwege und Staus sind programmiert

Für die Straßenplaner ist die Brückensanierung eine riesengroße Herausforderung. Nicht nur technisch, auch logistisch. Eine große Umfahrung des Nadelöhrs gibt es nicht, der Verkehr muss kleinräumig im Moseltal umgeleitet werden. Der Einsatz von Ampeln an den Autobahnauffahrten bei Kenn ist vernünftig. Aber das geht nicht überall. Insbesondere Schweich, ohnehin schon mit viel Verkehr gesegnet, wird den Teilausfall der Ehranger Brücke auffangen müssen. Der Kreisel B 53/Moselbrücke dürfte dem zu erwartenden Ansturm kaum gewachsen sein. a.follmann@volksfreund.de