Lorscheid | 17. Mai 2017 | Autor: Silke Jessen

Wo’s am meisten piept, steht der Sieger

Mit Metalldetektoren ziehen vom 19. bis 21. Mai Hobby-Schatzsucher aus ganz Deutschland über die Wiesen des Hochwald-Dorfs Lorscheid. Wer die meisten Gegenstände im Boden aufspürt, dem winkt ein besonderer Titel.
Lorscheid Ein Treffen der besonderen Art wird am kommenden Wochenende im Osburger Hochwald von privaten Veranstaltern organisiert. Vom 19. bis 21. Mai kommen dort Hobby-Schatzsucher zusammen, um im Boden nach verborgenen Schätzen zu suchen.
Wie man zu diesem ungewöhnlichen Zeitvertreib kommt, und warum sich die Schatzsucher ausgerechnet im Hochwald treffen, weiß der Osburger Wolfgang Stüssel. Der 70-Jährige ist Hobbyarchäologe aus Leidenschaft und war vor vielen Jahren Initiator der Veranstaltung.
"Wolfgang, du wirst einmal Schatzsucher", hatte ihm der Großvater prophezeit. Schon früh zeichnete sich ab, dass der Junge, anstatt Mathematik und Deutsch zu lernen, lieber von Schätzen und Expeditionen träumte.
Als ´Stüssel dann einige Jahre später an der Trierer Römerbrücke vorbeiging, schnappte er bei Hobbyarchäologen auf, dass noch viele Tausende römische Münzen in der Mosel lägen. Vom Schatzgräbervirus befallen, ließ er sich zum Schwimmmeister und Taucher ausbilden und kam immer wieder von Gelsenkirchen zurück nach Trier, um in der Mosel nach Denaren und Sesterzen zu tauchen.
"3500 Münzen habe ich aus der Mosel geborgen", sagt der Abenteurer stolz. 1972 ist er mit seiner Frau nach Osburg gezogen. Als in den 1980er Jahren das Tauchen in der Mosel für Hobbyschatzsucher verboten wurde, hat Stüssel die Ausübung seiner Leidenschaft einfach aufs Land verlegt. Er hat sich mit Metallsonden ausgerüstet und in Riol, Osburg, Büdlich und Neumagen nach römischen und keltischen Objekten gesucht.
"Ich habe immer eng mit dem Landesmuseum Trier zusammengearbeitet", betont der Osburger. Die Funde seien von den Wissenschaftlern gesichtet und katalogisiert worden. Wenn sie für die Forscher von geringem Interesse waren, habe er sie zurückerhalten. Besonders stolz ist der 70-Jährige auf ein seltenes Münzgewicht und den Griff eines Messers, der kunstvoll als Hund gestaltet ist. Das Landesmuseum habe die Originale behalten und ihm Kopien gegeben.
Seit 40 Jahren jagt der Mann mit dem ungewöhnlichen Hobby keltischen und römischen Schätzen hinterher. Im Laufe der Jahre konnte er eine stattliche Sammlung an Gürtelschnallen, Nägeln, Münzen, Haarnadeln, Ringen, Fibeln und Scherben zusammentragen. Und ganz nebenbei hat er mit seiner Frau vor 37 Jahren das Deutsche Schatzsuchertreffen und die Deutschen Meisterschaften im Hochwald initiiert. "Zuerst waren es 30, zuletzt bis zu 250 Schatzsucher. Sie kommen auch aus Luxemburg, Belgien und Frankreich." Auch diesmal werden Hunderte Gäste mit ihren Metalldetektoren über die Wiesen ziehen und verborgene Objekte aus dem Boden bergen. Wer am meisten sammelt, darf sich bester Schatzsucher Deutschlands nennen.
Laut Mitorganistor Martin Kohl werden auch einige Objekte eigens für die Meisterschaft vergraben. Wer diese finde, dürfe sie später mitnehmen. Und falls tatsächlich etwas Römisches entdeckt werde, seien Archäologen vor Ort.
Extra: FÜR BESUCHER

Treffpunkt ist die Grillhütte am Sportplatz in Lorscheid. Gegen Eintritt können Besucher die Suche beobachten. Programm: Freitag, 19. Mai: 18 Uhr Begrüßung, 18.15 Uhr Eröffnung des Zelts, 19.30 Tombola; Samstag, 20. Mai: 12 Uhr Öffnung des Zelts, 12.30 Uhr Eröffnung Detektor-Testparcours, 13 Uhr Vorführung Luftarchäologie, 14.30 Uhr Schatzsuchmeisterschaft, 17.30 Uhr Siegerehrung, 20 Uhr Tombola; Sonntag, 21. Mai: ab 10 Uhr Frühstück und Grillen