Palo Alto/Prüm | 19. April 2017 | Autor: Andrej Sokolow

Jobgarantie und Aktienpaket

Nach der Übernahme des Prümer Maschinenbauers Grohmann ist Tesla auf Konfliktkurs mit der IG Metall, die einen Tarifvertrag will und mit Streik droht. Das US-Unternehmen macht nun Zugeständnisse.
Palo Alto/Prüm (dpa) Tesla-Chef Elon Musk gibt im Streit mit der IG Metall eine Jobgarantie für die Mitarbeiter des übernommenen deutschen Autozulieferer Grohmann. Die Firma spiele eine wichtige Rolle für die Zukunft des Elektroauto-Herstellers. Sowohl die Belegschaft als auch die Produktion am Grohmann-Sitz in Prüm in Rheinland-Pfalz sollen ausgebaut werden, schrieb Musk in einem Brief an die Mitarbeiter, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag erfuhr.
"Aus all diesen Gründen möchte ich unmissverständlich jedermann bei Tesla Grohmann versichern, dass wir nicht auf absehbare Zeit, und ganz sicher nicht in den nächsten fünf Jahren einen Personalabbau durchführen oder betriebsbedingte Kündigungen aussprechen werden", versprach Musk. "Auch nach diesen fünf Jahren erwarten wir weiteres Wachstum bei Tesla Grohmann und keinen Personalabbau."
Grohmann aus Prüm in Rheinland-Pfalz baut automatisierte Maschinen für die Fahrzeugproduktion. Für Tesla sind die Anlagen unter anderem bei der Fertigung des Volumen-Modells Model 3 wichtig, die im Sommer anlaufen soll. Die IG Metall fordert einen Tarifvertrag und drohte zuletzt mit Streik. Tesla erklärte dazu, man spreche direkt mit den Mitarbeitern und sei bereit für einen Streik.
"Wir erwarten keine Folgen für den Zeitplan beim Model 3." Grohmann soll unter dem Dach von Tesla nur noch die eigene Produktion beliefern. Verträge mit anderen Herstellern wie Daimler laufen aus. Grohmann war auch schon vor der Übernahme durch Tesla Ende 2016 nicht tarifgebunden. Die Gewerkschaft hatte nun die Aufnahme von Tarifverhandlungen für die Firma mit 680 Beschäftigten gefordert und drohte mit Streik. "Wir haben vom Unternehmen eine nicht zufriedenstellende Antwort bekommen", sagte Patrick Georg von der IG Metall Trier. Diese Woche solle geprüft werden, ob Streiks möglich seien.
Derzeit liege das Lohnniveau um etwa 25 bis 30 Prozent unter dem Tarifgehalt, sagte Betriebsratschef Uwe Herzig vor kuzem. Tesla bietet 150 Euro im Monat mehr. Musk erklärte in seinem Brief zudem, jeder Grohmann-Mitarbeiter solle Tesla-Aktien im Wert von 10 000 US-Dollar erhalten, die vierteljährlich über die nächsten vier Jahre ausgeschüttet würden, sowie einen sofortigen Bonus über 1000 Euro in bar.
Es solle Gespräche mit dem Betriebsrat geben, "um sicherzustellen, dass die Vergütung jedes einzelnen Mitarbeiters wettbewerbsfähig ist", kündigte Musk an. "Im Endeffekt wird jeder Tesla-Grohmann-Mitarbeiter die Chance haben, mit Gehalt und Aktienanteilen deutlich mehr zu verdienen als es in der Branche und relativ zu den Lebenshaltungskosten in Prüm üblich ist", versprach er.
Zugleich griff der Tesla-Chef die IG Metall an. Alles bei Tesla diene der Mission, den Übergang zu nachhaltiger Energie zu beschleunigen, "und ich glaube nicht, dass die IG Metall unsere Mission teilt", schrieb er.
Extra: DIE REAKTION DER IG METALL

(hw) Die IG Metall reagiert zunächst ganz gelassen auf die Vorwürfe aus Palo Alto. "Das sieht Elon Musk falsch", sagt der zuständige IG-Metall-Sekretär Patrick Georg, Trier, dem TV auf Anfrage. "Wir sind natürlich für E-Mobilität-Arbeitsplätze bei uns in der Region, und wir begrüßen es, wenn Tesla hier langfristig gute, zukunftssichere Arbeitsplätze in unserer Region garantiert." Doch gleichzeitig bewertet er auch die bisherigen Angebote des US-Unternehmens als nicht ausreichend. Das erste Angebot für die Beschäftigten des Sondermaschinen-Herstellers Tesla Grohmann Automation habe bei lediglich 150 Euro pro Beschäftigten gelegen. "Erst auf unseren Druck hin hat sich Tesla dann doch bewegt und ein besseres Angebot vorgelegt", sagt Georg. "Anscheinend sind wir ja nicht mehr so weit voneinander entfernt." Dann könne Tesla die Arbeitsplatzgarantie und die Lohnzusagen auch in einem Tarifvertrag garantieren. Die jetzigen Zugeständnisse seien indes aus Sicht der IG Metall wenig rechtsverbindlich.