Berlin | 10. Juli 2017 | Autor: Werner Kolhoff

Mehr Personen, weniger Güter

Die Deutsche Bahn zieht eine gemischte Bilanz für 2016. Dobrindts Masterplan soll es jetzt richten.
Berlin Noch mehr Brummis, noch weniger Züge. Die Schiene hat im vergangenen Jahr beim Transport von Gütern weitere Marktanteile an die Straße verloren und setzt ihren kontinuierlichen Abstieg fort. Das ergab der am Montag von der Deutschen Bahn veröffentliche Wettbewerbsbericht. Im Personenverkehr stehen hingegen plus vier Prozent in der Bilanz. Das macht 8,3 Prozent am Gesamtmarkt aller mit Verkehrsmitteln zurückgelegten Kilometer in Deutschland, nach acht Prozent im Vorjahr.

2016 war mit 661 Milliarden Tonnenkilometern wieder ein Rekordjahr für Gütertransporte, doch profitierten davon ausschließlich Lastwagen. Auf der Straße wurden 471,8 Milliarden Tonnenkilometer zurückgelegt, ein Anteil von 71,4 Prozent. Der Zuwachs war hier mit 2,8 Prozent größer als der Gesamtzuwachs von 1,9 Prozent.
Der Umschlag des Verkehrssystems Schiene hingegen sank noch einmal um 0,4 Prozent, so dass sie noch einen Marktanteil von 17,6 Prozent hat, nach 18 Prozent. Auch die Binnenschifffahrt (minus 1,8 Prozent) büßte Marktanteile ein.

Frank Miram, für Politik, Regulierung und Wettbewerb zuständiger Manager der Deutschen Bahn AG, sprach von einem "schwierigen Marktumfeld". Große Hoffnungen richten sich auf den im letzten Monat von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) verkündeten Masterplan Güterverkehr. Er sieht unter anderem eine Halbierung der Trassenpreise im Güterverkehr vor. 350 Millionen Euro will der Bund dafür geben. Die Trassengebühren machen rund 15 Prozent der Transportkosten aus. Der Plan könnte damit für die Kunden zu einer deutlichen Entlastung führen und den Güterverkehr attraktiver machen.

Miram verwies auf die Schweiz, die gezielt eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene fördere und im vergangenen Jahr einen Güterverkehrszuwachs von 9,9 Prozent verzeichnete. Allerdings auch durch die Öffnung des neuen Gotthard-Basis-Tunnels. Miram: "Es ist viel möglich, wenn der politische Wille da ist." Zudem hofft die Bahn, dass für den LKW-Transport europaweit die Sozialstandards erhöht werden, damit die Branche nicht mehr mit so niedrigen Kosten kalkulieren kann.

Den Anstieg beim Personenverkehr führte der Bahnmanager auch auf die Serviceoffensive des Unternehmens zurück. 139 Millionen Fahrgäste zählte das Unternehmen im letzten Jahr im Fernverkehr, ein Plus von 5,5 Prozent. Mit der neuen Schnellstrecke Berlin-München und dem Ausbau des W-Lan-Angebots soll sich die Entwicklung auch 2017 fortsetzen. Nicht so rosig ist die Lage für den bundeseigenen Konzern im Regionalverkehr. Hier hatten zuletzt private Wettbewerber immer mehr Ausschreibungen gewonnen und 2016 ihren Marktanteil auf 32,9 Prozent steigern können. Miram sagte, bis 2021 werde die Hälfte aller Regionalbahnnetze neu ausgeschrieben; die Bahn habe sich besser aufgestellt und hoffe, dann Anteile zurückzugewinnen. Im Güterverkehr haben die Wettbewerber aus dem In- und Ausland auf dem Deutschen Netz sogar schon einen Marktanteil von 40,9 Prozent erreicht.