Trier | 09. Mai 2017 | Autor: Heribert Waschbüsch

"Robust, krisenfest, erfolgreich”

Die Diagnose Mittelstand der Sparkassen zeigt: Die Wirtschaft in der Region ist gut aufgestellt. Doch vor allem bei der Digitalisierung gibt es noch einigen Nachholbedarf.
Mehr als 112 000 Geschäftsbilanzen haben die Sparkassen in Deutschland für ihre Diagnose Mittelstand ausgewertet. Auch die Sparkasse Trier beteiligt sich an dem Wirtschaftsbarometer. Ihre Einschätzung: Die Region ist gut aufgestellt und in einigen Kriterien besser als der Bundesdurchschnitt. "Die Daten zeigen, dass der Mittelstand in unserem Bereich robust, krisenfest und erfolgreich ist", fasst Günther Passek zusammen. Das Zahlenmaterial, das die mehr als 400 Sparkassen vorlegen, wertet zunächst die Bilanzen von 2015 aus. "Andere Bilanzen liegen in dieser Breite derzeit nicht vor. Doch natürlich können wir auch auf die aktuelle Lage Antworten geben", erklärt Passek die Vorgehensweise.

Neben den üblichen Kerndaten - Ertragslage, Umsatzrentabilität, Eigenkapitalquote und Geschäftslage - haben die Sparkassen diesmal auch das Thema "Digitalisierung" abgefragt. "Und es zeigt sich, dass hier viele Unternehmen noch einen Nachholbedarf haben", sagt der Trierer Sparkassenchef - vor allem bei den kleinen und mittleren Betrieben, die zu fast 100 Prozent (0 bis 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr) in der Region vorherrschen. "Hier müssen sich viele Firmen noch engagieren und auch investieren, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Doch sonst sei die Lage bei den Geschäftskunden der Sparkasse Trier gut. Günther Passek: "Ein Blick auf die konkrete Situation vor Ort zeigt, dass sich der Trierer Mittelstand auf dem Niveau des Bundesdurchschnitts bewegt und in vielen Teilbereichen sogar besser abschneidet."

Umsatzrentabilität In der Region ist die Ertragslage weiter gut. Das zeigt die sogenannte Umsatzrentabilität oder Umsatzrendite. Sie stellt Gewinn und Umsatz in ein Verhältnis. Bei den regionalen Mittelständlern liegt sie mit neun Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 7,4 Prozent.

Eigenkapitalquote Der Wert bezeichnet im Gegensatz zum Fremdkapital die Mittel, die Eigentümer in der Firma zur Finanzierung aufbringen oder als erwirtschafteten Gewinn im Unternehmen belassen. Damit lassen sich also Krisen besser beherrschen, Zahlungsverzögerungen oder -ausfälle überstehen oder eben Investitionen tätigen, ohne dass Fremdkapital aufgenommen werden muss. Und hier hat sich die Finanzausstattung weiter verbessert. Deutschlandweit ist der Wert um 4,2 Prozentpunkte auf 26,8 Prozent gestiegen. Das ist ein neuer Rekordwert. Und in der Region? Mit 23,1 Prozent (zuvor 22,6) ist der Wert etwas gestiegen (Unternehmen mit einem jährlichen Umsatz bis zu 50 Millionen Euro). Bei umsatzstärkeren Unternehmen in der Region liegt der Wert bei 31,1 Prozent (zuvor 31,4).

Die Aussichten Mit Blick auf 2016 und das laufende Jahr sieht Günther Passek wenig dunkle Wolken am regionalen Konjunkturhimmel. "Der solide Aufschwung verliert etwas an Dynamik und geht langsam in eine Seitwärtsbewegung über. Daher ist die deutliche Robustheit der Unternehmen umso wichtiger."

Im vergangenen Jahr hätten viele Unternehmen ihre kurzfristigen Verpflichtungen zurückgeführt. Kredite würden im Wesentlichen nur für nachhaltige Investitionen beansprucht, erklärt Sparkassen-Chef Günther Passek: "Das zeigt uns, die Unternehmen verdienen gutes Geld."

Günther Passek (62) gehört seit 1991 dem Vorstand der Sparkasse Trier an (beziehungsweise deren Vorgängerinstitut, der Kreissparkasse Trier-Saarburg) und ist seit April 2016 Vorstandsvorsitzender.