Wittlich | 16. Juli 2017 | Autor: Christina Bents

Feiner Humor aus tiefem Blech

Die sieben Blechbläser von Mnozil Brass waren, auf Einladung des Moselmusikfestivals, mit ihrem Programm Cirque im Eventum Wittlich. Neben großartiger Blasmusik gab’s auch einige Überraschungen.
Wittlich Ein Clown betritt die Bühne. In der einen Hand hält er eine Rose, in der anderen eine Trompete. Im Hintergrund wird getragene Musik gespielt. Während er Rosenblätter auf die Bühne schweben lässt, wird die Musik chaotischer. Die Trompeten und Posaunen lauter, die Töne angespielt mit Glissandi versehen, und die Harmonien dissonanter. Schließlich endet es in einem großen voluminösen Klang. Mnozil Brass steht auf der Bühne des Eventums vor 1000 Besuchern und zeigt sein Programm Cirque.

Mit einer klingenden Hommage an die Welt des Zirkus sind sie aktuell auf Tournee. Die sieben österreichischen Musiker, in der Besetzung von drei Trompeten, drei Posaunen und einer Tuba, stehen seit über zwanzig Jahren erfolgreich auf der Bühne und bieten ihrem Publikum nicht nur ausgezeichnete Blechblasmusik, sondern zudem ein feinsinniges Programm.
In Wittlich wird es nach dem polternden Schluss des ersten Stücks ruhiger. Ein Zirkusdirektor mit Zylinder und Frack, es ist der Trompeter Roman Rindberger, kommt auf die Bühne und lässt charmant ein Taschentuch verschwinden und an verschiedenen Stellen, wie der Hose seines Kollegen Robert Rother, wieder auftauchen. Die Musiker begleiten ihn derweil dezent, setzten präzise, aber von Leichtigkeit geprägte Einwürfe und untermalen die Szene. Die Musiker gehen mal schleichend über die Bühne, dann tänzeln sie, schließlich trägt einer den anderen, während sie weiter musizieren. Das Ganze geschieht ohne Worte. Nur pantomimisch wird agiert, und die Musik spricht für sich.
Über fast sieben Oktaven, vom Subkontra Ges der Tuba bis hin zum viergestrichenen C der Trompeten, beherrschen sie ihre Instrumente in allen Stilrichtungen. Sie schmettern kraftvoll, spielen leise und präzise, können in rasanten Tempi brillieren und minutenlang das Tempo exakt halten. Dabei klingt es nie angestrengt, sondern immer lässig und leicht. Zudem sind Dynamik, Zusammenspiel und Tonqualität im Eventum gut auszumachen. Ein besonderer Höhepunkt war es für die Besucher, als Thomas Gansch mit Trompete in der einen und Flügelhorn in der anderen Hand, erst nacheinander und schließlich in beide gleichzeitig blasend, gespielt hat. Ebenso überzeugte Leonhard Paul mit einem Posaunensolo, das die gesamte Bandbreite des Instruments hören, und die Zuschauer staunen lässt.
Faszinierend ist für die Besucher, die zum Teil aus der Schweiz, Luxemburg und Österreich angereist sind, die Mischung aus feinem Humor und brillantem Instrumentalspiel. Das macht die sieben Musiker so einzigartig: sehr gute Brass-Musik können viele Gruppen, Comedy dazu einige, aber die Zwischentöne, die durch das Zusammenspiel von Musik und künstlerischer Darstellung entstehen, macht ihnen keiner nach. Dabei wahren sie eine gewisse Distanz zum Publikum. Es sind keine Wirtshausmusiker, die mit ihrem Publikum gleich beim "Du" sind, den direkten Kontakt suchen oder sie gleich dazu animieren, mitzumachen. Sie lassen ihre Musik wirken und geben den Besuchern dadurch den Freiraum, Bilder im Kopf entstehen zu lassen.
Sie spielen zudem nicht nur auf ihren Instrumenten, Mnozil Brass kann auch singen. Mehrstimmig zeigen sie anhand eines französischen Liebeslieds, dass sie auch diese Kunst beherrschen. Und sollte Leonhard Paul mal keine Lust mehr auf Basstrompete und Posaune haben, wäre ihm eine Karriere als trauriger Clown zuzutrauen. Den spielte er mit einer großartigen Intensität, langsamen Bewegungen, traurigem Blick, etwas ungeschickt und linkisch, dass sich der Eintrittspreis schon für seine Vorstellung gelohnt hat.
Extra: MNOZIL BRASS BESETZUNG

Thomas Gansch: Trompete, Flügelhorn, Robert Rother: Trompete, Flügelhorn, Roman Rindberger: Trompete, Flügelhorn, Leonhard Paul: Posaune, Basstrompete, Gerhard Füssl: Posaune, Zoltan Kiss: Tenor- und Altposaune, Wilfried Brandstötter: F-Tuba.