Bernkastel-Kues/Trier | 19. April 2017 | Autor: Winfried Simon

Kellerei-Beschäftigte im Südwesten wollen mehr Geld

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gast- stätten Südwest fordert eine Lohnerhöhung um 5,2 Prozent. Brauereien zahlen ihren Fachkräften deutlich mehr.
Die Weinkellereien stellen an der Mosel einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Die größten deutschen Unternehmen dieser Art befinden sich unter anderem in Cochem, Zell, Bernkastel-Kues und Trier (siehe Info). Allein die Weinkellerei Peter Mertes in Bernkastel-Kues (Jahresumsatz über 300 Millionen Euro) beschäftigt 350 Mitarbeiter. Jetzt fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für die Beschäftigten ein deutliches Lohnplus.
"In den ausschlaggebenden Betrieben sind die Umsätze in den letzten zwei Jahren gestiegen, und das bei weitestgehend gleich bleibenden Beschäftigtenzahlen", erklärt Jerome Frantz, Verhandlungsführer der NGG Südwest. "Sowohl am Umsatzplus wie auch an der gestiegenen Produktivität wollen die Beschäftigten teilhaben.

Beachtet man außerdem die stark anziehenden Preissteigerungsraten, ist eine Entgelterhöhung von 5,2 Prozent mehr als gerechtfertigt", erklärt Frantz.

Der Gewerkschafter betont außerdem, dass die betroffenen Betriebe zunehmend Schwierigkeiten haben, geeignete Fachkräfte und Auszubildende, vor allem für den gewerblichen Bereich, zu finden.
Frantz: "Schaut man sich die Situation in den jeweiligen Regionen an, wundert einen diese Situation nicht. Sowohl im Raum Trier, als auch im Raum Mainz findet man viele Unternehmen, die höhere Gehälter und auch Ausbildungsvergütungen zahlen. Da hat die Weinbranche noch einiges nachzuholen." Die NGG fordert daher zusätzlich eine überproportionale Erhöhung für Azubis.

Mertes ist die einzige tarifgebundene Großkellerei an der Mosel. Etwa die Hälfte der Mertes-Mitarbeiter sind nach Angaben von Frantz in der Gewerkschaft. Einige gehören zur NGG-Tarifkommission.

Die Kellerei Mertes wird vertreten vom Arbeitgeberverband Ernährung und Genuss Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland. Die anderen Großkellereien sind nicht im Arbeitgeberverband, orientieren sich nach eigenen Angaben bei der Lohnfindung aber am Flächentarifvertrag. So unter anderem die Unternehmen Zimmermann-Graeff & Müller (ZGM) in Zell und auch die Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues. "In den tarifgebundenen Unternehmen werden die Beschäftigten besser bezahlt", sagt Gewerkschafter Frantz. Daher lobt er die Kellerei Mertes: "Die Firma verhält sich vorbildlich." ZGM sei jahrelang im Arbeitgeberverband engagiert gewesen, erklärt Geschäftsführer Hans-Josef Esch. Weil sich andere Kellereien aber den Tarifverhandlungen entzogen hätten, habe man entschieden, nur noch mit dem eigenen Betriebsrat zu verhandeln. Esch: "Damit können wir auf die individuellen Belange eingehen."
Bei der Bemessung der Löhne spielten die geschäftliche Entwicklung des Unternehmens, aber auch die individuelle Leistung des Einzelnen eine Rolle. Esch: "Wir stehen im Wettbewerb zu anderen Arbeitgebern und müssen schon aus diesem Grund gerechte Löhne für Leistungsträger zahlen. Bei einer guten geschäftlichen Entwicklung des Unternehmens machen wir von der Möglichkeit Gebrauch, unabhängig vom Tarifvertrag Zusatzleistungen auszuschütten."

Ähnlich äußert sich Henning Seibert, Vorstandsvorsitzender der Winzergenossenschaft Moselland eG in Bernkastel-Kues: "Wir zahlen zeitgemäß, ansonsten laufen uns die Leute weg." 95 Prozent der Beschäftigten erhielten den Tariflohn oder mehr. Etwa fünf Prozent der Mitarbeiter lägen etwas darunter. Seibert: "Wir nehmen uns die Freiheit, in manchen Fällen mehr oder weniger zu zahlen." Im Vergleich zu anderen Branchen in der Getränkeindustrie zahlen die Weinkellereien ihren Beschäftigten wenig. Gewerkschafter Jerome Frantz verweist auf die sogenannten Eckentgeltgruppen: Diese beziehen sich auf die Tätigkeitsfelder, für die mindestens eine dreijährige Berufsausbildung oder vergleichbare Erfahrungen vorausgesetzt werden. Auf diese Gruppen beziehen sich die Tarifvertragsparteien bei den jeweiligen Verhandlungen auch immer, wenn es um die Berechnung der Tariferhöhungen geht.

In den Weinkellereien wird die Eckentgeltgruppe V, in der zum Beispiel Weinküfer, Handwerker und Fachkräfte für Lagerlogistik eingruppiert werden, im Moment noch mit einem Bruttomonatsentgelt von 2507,50 Euro vergütet. Die vergleichbare Entgeltgruppe in der Mineralbrunnenindustrie (zum Beispiel bei Gerolsteiner), in der unter anderem auch die Fachkräfte für Lebensmitteltechnik, Handwerker und Kaufleute eingruppiert werden, wird mit einem Entgelt von 2830 Euro brutto vergütet (Stand 1. Januar 2017; ab 1. Januar 2018 gelten hier 2895 Euro brutto).

In den tarifgebundenen Brauereien in Rheinland-Pfalz, wie zum Beispiel der Bitburger Braugruppe, wird die entsprechende Eck-entgeltgruppe mit noch 3351 Euro brutto vergütet. Gewerkschafter Frantz: "Dieser wird sich aller Voraussicht nach auch bald erhöhen, da wir bei den Brauereien momentan auch in Tarifverhandlungen sind."
In dieser Eckentgeltgruppe befinden sich in den Brauereien unter anderem Handwerker, Kaufleute oder die Brauer/Mälzer selbst.
Extra
Die größten Fünf an der Mosel

Die fünf größten deutschen Weinkellereien haben ihren Sitz an der Mosel: Peter Mertes, Bernkastel-Kues: Umsatz: ca. 330 Millionen Euro; Zimmermann-Graeff & Müller, Zell: Umsatz: ca. 160 Millionen Euro; Peter Herres, Trier: Umsatz: mehr als 120 Millionen Euro; Andreas Oster, Cochem: Umsatz (geschätzt): 100 Millionen Euro; F.W. Langguth, Traben-Trarbach: Umsatz: 98 Millionen Euro. Quelle: Fachzeitschrift Die Weinwirtschaft