Trier | 14. April 2017 | Autor: Marek Fritzen

"Alles was zählt" - Gladiator Brandon Spearman im Porträt

Vor Playoff-Viertelfinale Nummer 4 zwischen den Römerstrom Gladiators Trier und Chemnitz am Samstag (19 Uhr/Arena Trier) spricht Gladiator Brandon Spearman im TV über Spiel drei am vergangenen Mittwoch, die Aussichten für Spiel vier und einen berühmten deutschen Fußballer.
Erst als der Name Schweinsteiger fällt, hellt sich Brandon Spearmans Miene auf. Plötzlich scheint alles von ihm abzufallen, die Anspannung, die Müdigkeit, die Enttäuschung – all die Erlebnisse vom Mittwochabend, als Spearman mit den Gladiators in letzter Sekunde diese bittere 78:80-Niederage in Playoff-Viertelfinale Nummer drei in Chemnitz kassierte.

Jetzt, als er von Schweinsteiger spricht, ist auch die letzte Spielminute vergessen, diese verrückten 60 Sekunden, in denen der hervorragende Sebastian Herrera sein Team nach unglaublicher Aufholjagd zunächst mit 78:77 in Führung brachte und in denen dann diese – wie Spearman es beschreibt – „vielen Dinge so verdammt schiefliefen“ für die Gladiators. Als Jack Eggleston zunächst das unsportliche Foul kassierte, Chemnitz sich Offensivrebounds angelte, Niners-Center Joe Lawson die Partie wieder drehte und Simon Schmitz im letzten Angriff den Dreier zum Sieg vergab.

„Das war“, sagt Brandon Spearman, „das war ein echt harter Playoff-Kampf, wir hätten es gewinnen können – aber, das sind halt Playoffs, da geht’s ab, da kann alles passieren“. Durchatmen, kurze Pause. Dann nochmal: „A really dark fight“, betont der Gladiator, ein echt harter Kampf sei das gewesen. Spearman nickt, nachdem er den Satz ausgesprochen hat. Dem Mann aus Chicago ist anzumerken, dass er noch nicht abgeschlossen hat mit dieser Playoff-Viertelfinalserie. „Ey, wir sind noch nicht fertig, es ist noch alles möglich, wir wissen genau, dass wir auch in Chemnitz gewinnen können – aber jetzt zählt erst mal Samstag.“

Es ist Donnerstagmittag. Brandon Spearman hat sich Zeit genommen für einen Kaffee. Am Morgen ist er mit dem Team um sechs Uhr aus Sachsen zurückgekehrt. Gleich nach dem Spiel ging’s zurück an die Mosel. Wieder 600 Kilometer, wieder ewige Stunden im Bus. „Klar, es gibt Schöneres als diese Busfahrten, aber das gehört zu Playoffs dazu – darauf haben wir die ganze Saison hingearbeitet.“ Kein Lachen, kein Grinsen, während er das sagt. Wieder nur ein Nicken. Der Mann meint das ernst. Das Spiel vom Mittwoch, der anstehende Krimi am Samstagabend – Playoffs sind alles, was zählt in diesen Tagen, da ist wenig anderes, was Spearman derzeit bewegt. Egal, um was es im Gespräch gerade geht, am Ende landet der Gladiator mit der Trikotnummer 32 wieder beim Thema Playoffs. 

Wie sich das anhört? So: Auf die Frage, inwiefern Trier für ihn nach zwei Jahren ein Stück Heimat darstelle, gibt’s Folgendes auf die Ohren: „Trier ist allein schon deswegen etwas ganz Besonderes für mich, weil es die Stadt außerhalb der USA ist, in der ich bisher am längsten gelebt habe. Sie ist mir ans Herz gewachsen. Großen Anteil haben unsere Fans, die uns immer unterstützt haben, auch als es mal nicht so lief.“ Dann kommt’s: „Auch wie sie uns jetzt in den Playoffs unterstützen, ist überragend. Wir brauchen sie am Samstag, ich hoffe, dass es richtig voll wird in der Arena.“ 

Oder so: Auf die Frage, ob es nach seiner überragenden Saison – durchschnittlich 15,8 Punkte, knapp vier Rebounds und zwei Assists bei 25 Minuten pro Spiel – überhaupt Chancen gebe, dass er über den Sommer hinaus in Trier bleibe, betont er: „Klar, gibt es Chancen, definitiv!“ Dann folgt: „Aber damit beschäftigte ich mich im Moment gar nicht – Playoffs sind momentan alles, was zählt.“ Wieder ein Nicken. 

Brandon Spearman lebt Basketball. Der Sport ist alles für ihn. In seinem zweiten Jahr an der Mosel hat sich der 25-Jährige zu einem Spieler mit Bundesliga-Format entwickelt. Mit seiner Athletik, seinem explosiven Zug zum Korb und seiner bissigen Art in der Defensive ist er in der ProA nur selten zu stoppen. Im Sommer könnte er es seinem Kumpel Dwayne Evans gleichtun – beide kennen sich seit der Jugend aus Chicago – und den Sprung in die BBL wagen. 

Chicago, gutes Stichwort. Als Spearman am Donnerstagmittag von seiner Geburtsstadt erzählt, taucht da plötzlich ein breites Grinsen in seinem Gesicht auf. Dann sagt er: „Schweinsteiger spielt ja jetzt für Chicago Fire, ich habe sein erstes Tor gesehen – wow, der hat’s echt noch drauf. Ich werde mir auf jeden Fall bald mal ein Spiel von ihm im Stadion in Chicago anschauen.“ Und dann, man ahnt es schon, kommt es wieder, dieses Wort mit P: „Aber erst, wenn die Playoffs vorbei sind.“



EXTRA
Am Samstagabend zählt für die Gladiators Trier nur ein Sieg (19 Uhr/Arena Trier). Verlieren die Jungs von Trainer Marco van den Berg, ist die Saison für sie beendet. Gelingt der nächste Erfolg, steigt am Ostermontag (17 Uhr) das entscheidende Spiel fünf in Chemnitz. Für die Partie heute sind alle Spieler fit. Nils Maisel wird erneut für Pablo Coro in den Kader rücken. Tickets für die Partie gibt’s am Samstagmittag (10-14 Uhr) in der Geschäftsstelle sowie ab 17.30 Uhr an der Abendkasse.

Sollte es zu Spiel 5 in Chemnitz kommen, wird es erstmals eine Liveübertragung im Internet geben. Organisator ist Gladiators-Hallensprecher Chris Schmidt. Schmidt würde mit seinem Team nach Sachsen reisen und live aus der Halle berichten. Die Niners haben den Plänen bereits zugestimmt.