Trier | 24. März 2015 | Autor: Marek Fritzen

Ein Kämpfer ohne große Worte: Wie TBB-Trainer Rödl seine Mannschaft in der schweren Krise zusammenhält

Spieler und Trainer der TBB Trier kriegen seit Monaten kein Gehalt, doch sie spielen weiter, ohne sich öffentlich darüber zu beschweren. Wie ist das möglich? Der TV hat sich umgehört und herausgefunden: Coach Henrik Rödl hat das Team zusammengehalten.
Insolvenz, keine Gehaltszahlungen, drohender Lizenzentzug: Die vergangenen Tage sind die vielleicht schwersten in der Basketballkarriere von Henrik Rödl. Der 46-jährige Coach der TBB Trier würde das selbst niemals zugeben, das verbietet seine ruhige und zurückhaltende Art. Dennoch ist ihm die Belastung im Gespräch mit dem TV deutlich anzumerken. Rödl sagt: „Es ist eine turbulente Zeit. So etwas wie Normalität gibt es nicht.“ Es gehe aktuell darum, die Gedanken an all das neben dem Spielfeld irgendwie kleinzuhalten. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als von Training zu Training zu schauen, denn wir wissen nicht, wie es für jeden Einzelnen im Team weitergeht.“ 

Es sind Tage voller Ungewissheit für den 178-maligen Nationalspieler. An Spekulationen beteiligt er sich nicht: Weder darüber, ob die TBB die Saison tatsächlich zu Ende spielen kann (das entscheidet die BBL am Freitag), noch darüber, ob alle Spieler bis zum möglichen Saisonende an Bord bleiben werden. „Kaffeesatzleserei“, sagt Rödl, „ist nichts für mich“. 
Er bleibt bei dem, was er definitiv sagen kann. So zum Beispiel das: „Wenn wir die Saison zu Ende spielen dürfen, bleibe ich definitiv bis zum Saisonende in Trier.“ Was danach mit ihm passiert, sagt er nicht. Auch zum Acht-Punkte-Abzug äußert er sich: Das sei eine unverhältnismäßig hohe Bestrafung. Rödl findet: „Es wirkt so, als sei es das Ziel der Liga, uns keine Chance auf eine sportliche Rettung zu geben. Gleichzeitig aber sollen wir trotzdem konkurrenzfähig weiterspielen – das ist doch absolut gegensätzlich.“

Die ausbleibenden Gehaltszahlungen seien für das Team in den vergangenen Monaten eine enorme Belastung gewesen, „ohne dass wir jemandem etwas darüber haben sagen können“. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass dies auch mitverantwortlich für die Leistungsschwankungen der letzten Wochen gewesen sei, in denen die TBB neben hochklassigen auch unterirdische Spiele ablieferte. „Aber auch Grippe und Verletzungen waren dafür mitverantwortlich.“

Seine Mannschaft lobt Henrik Rödl immer wieder. Wenn er von „seinen Jungs“ spricht, dann fallen Worte wie „beeindruckend“, „eindrucksvoll“ oder „absolut ungewöhnlich“. Nach dem überraschenden Auswärtssieg bei den EWE Baskets Oldenburg am vergangenen Samstag hatte Rödl Tränen in den Augen. Es ist leicht zu erkennen, dass das Team und der Trainer durch die Querelen in den vergangenen Monaten enorm zusammengewachsen sind. Es ist eine Einheit entstanden. „Wie die Mannschaft in Oldenburg (80:60) aufgetreten ist, war mehr als besonders. Wie sie im letzten Viertel dem Druck der Baskets standgehalten hat, war eindrucksvoll. Sie haben eine wahnsinnige mentale Stärke bewiesen.“ 

Dass den Verein trotz ausbleibender Gehaltszahlungen bisher kein Spieler verlassen hat, ist nach TV-Informationen hauptsächlich dem Trainer zu verdanken. Aus Spielerkreisen heißt es, der Coach habe die Mannschaft beisammengehalten. Ein Spieler berichtet: „Er hat uns motiviert, auch als wir immer wieder zu hören bekamen: ‚Nächste Woche gibt es Geld, nächste Woche ganz sicher.’“ Rödls Ansprachen in der Kabine seien und die Haut gegangen. Ein Spieler berichtet davon, dass er seit Monaten nur noch von Erspartem lebt. Nach TV-Informationen hat Rödl seinen Spielern sogar angeboten, ihnen notfalls auch finanziell unter die Arme zu greifen. Ein TBB’ler berichtet: „Er hat gesagt, wenn jemand Geld braucht, dann soll man sich an ihn wenden.“

Wie der Coach sich für das Team eingesetzt habe, sei nicht in Worte zu fassen, sagt der Spieler. Das Team, so heißt es aus Spielerkreisen, sei in den vergangenen Monaten extrem zusammengewachsen. „Obwohl wir kein Geld bekommen haben, haben wir uns geschworen, für uns zu spielen, das Beste zu geben“, sagt ein Akteur. „Gerade wenn es dann sportlich schlecht gelaufen ist, hat es natürlich doppelt wehgetan.“ 

Trotz des Acht-Punkte-Abzugs hält TBB-Coach Henrik Rödl den Kopf oben. Mit Blick auf das Spiel gegen die BG Göttingen am Sonntag sagt er: „Die Hütte wird sicher voll sein. Es geht noch was, daran halten wir fest.“