Trier/Welschbillig | 20. März 2017 | Autor: Marek Fritzen

Basketball: Spielerinnen aus der Region gehören zu den größten Talenten ihres Jahrgangs in Deutschland

Nele Trommer aus Welschbillig und Anouk Heyd aus Trier gehören zu den größten Basketballtalenten ihres Jahrgangs in Deutschland. Das haben sie nun auch offiziell. Im April steht für beide ein bedeutendes Wochenende an.
Die Frage nach der Schuhgröße lässt sich jetzt nicht mehr eindeutig klären. Ist ja auch nicht so wichtig, ob das jetzt 42, 43 oder doch 44 ist, was Nele Trommer da unten an ihren Füßen trägt. "Ich habe 43/44", betont Nele. "Ist es nicht eher 42/43?", fragt Mama Kerstin direkt neben ihr auf der Couch. "Nein, nein, es ist 43/44", entgegnet Nele.

42, 43, 44 - total egal, beeindruckend sind alle drei Größen. Denn Nele Trommer ist gerade mal 13 Jahre alt - 13! Eine 13-Jährige mit Schuhgröße 42, 43 oder 44? Beeindruckend! Noch viel beeindruckender wird’s, wenn Nele Trommer ihre Körpergröße verrät: "Ich bin 1,81 Meter", sagt sie und grinst.

Es ist ein Freitagnachmittag Anfang März im Eifel örtchen Welschbillig. Nele Trommer sitzt zu Hause im elterlichen Wohnzimmer, rechts neben ihr Mama Kerstin, links neben ihr Papa Patrick und vor ihr auf dem Fußboden Brüderchen Nino. Während der Zweijährige gerade unter lautem Getöse eine Box mit Spielsachen umwirft, sagt Nele: "Andi Seiferth, den finde ich ganz toll, mir gefällt sein Charakter." Seiferth, der frühere Center der TBB Trier, der heute für medi Bayreuth in der Basketball-Bundesliga aktiv ist, hat es ihr angetan. Er sei, so sagt die 13-Jährige, ein "kleines Vorbild" für sie, einer, von dem sie sich auch mal eine Bewegung abschaut - so von Center zu Center eben. Denn genau wie der 27-jährige Nationalspieler ist auch Nele Trommer Center, spielt für gleich mehrere Jugendteams des TV Bitburg. U14, U17, U19 - Trommer ist dabei, und fast immer, ist sie die Größte: "In der U17 und U19 ist nur eine Spielerin größer als ich", erzählt die Schülerin des Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasiums, "in der U14, in der ich mit Jungs zusammenspiele, bin ich die Größte".

Aus ihren Teams ist Trommer nicht mehr wegzudenken, gemeinsam eilen sie von Erfolg zu Erfolg, am Wochenende holte sie mit der U14 des TVB den zweiten Platz bei der Oberliga-Meisterschaft und qualifizierte sich damit für die Regionalliga-Meisterschaft. Die 13-Jährige gehört aktuell zu den größten weiblichen Basketballtalenten ihres Jahrgangs in Deutschland - eine Auszeichnung, die sie nun auch offiziell hat - genau wie ihre Freundin Anouk Heyd.

20 Kilometer weiter südlich, im Trierer Süden, sitzt Anouk Heyd am Esstisch ihres Elternhauses. Heyd - Jahrgang 2003, Schülerin des Trierer Max-Planck-Gymnasiums - beginnt zu lächeln, dann sagt sie: "In zehn Jahren, da fänd’ ich es schon cool, wenn ich irgendwo am College in den USA spielen könnte." Was aktuell noch sehr weit weg erscheint für die Achtklässlerin, könnte irgendwann tatsächlich Realität werden. Die Spielerin der MJC Trier ist ein Riesentalent auf der Aufbauposition, spielt derzeit in der U14, der U15, der U17 sowie für die MJC-Seniorinnen in der Landesliga. Elf Stunden pro Woche verbringt die 13-Jährige in der Trainingshalle, neben den regulären Einheiten mit ihren Mannschaften legt Anouk jede Woche zusätzliche Individual-Einheiten hin. So geht’s montagsabends nach Saarlouis. Dort steht ein Individualtraining mit Saarlouis’ Damen-Bundesligatrainer Hermann Paar auf dem Programm. "Basketball", sagt Heyd, "das ist mein Sport. Ich finde es einfach gut, als Aufbau Verantwortung zu übernehmen, das Team zu führen und die anderen Spieler mitzureißen und wachzurütteln, wenn es mal nicht so läuft".

Einer ihrer Trainer bei der MJC, Michael Edringer, sagt über Heyd: "Anouk bringt die technischen Voraussetzungen mit, sie ist schon sehr weit für ihr Alter." Außerdem besitze sie einen starken Willen. "Sie möchte Leistungssport betreiben und hat schon jede Menge Anschauungsunterricht durch ihren Bruder bekommen, sie weiß also, auf was sie sich einlässt."

Mit sieben Jahren entdeckt Anouk die Liebe zum Sport mit dem orangefarbenen Ball, schuld daran ist ihr vier Jahre älterer Bruder Finn, der in Trier bereits JBBL- sowie NBBL-Erfahrung gesammelt hat und heute in verschiedenen MJC-Teams aktiv ist. "Ich hab’s bei Finn gesehen, da wollte ich es halt auch ausprobieren", sagt Heyd und grinst. Aus dem Ausprobieren ist heute eine hoffnungsvolle aufstrebende Karriere geworden, die vom 21. bis 23. April in Heidelberg vielleicht den nächsten Sprung nach oben erleben wird.

In der Stadt am Neckar steht am letzten April-Wochenende das Talente-mit-Perspektive-Finalturnier an: Dabei treffen sich die 48 besten deutschen Nachwuchsspielerinnen des Jahrgangs 2003, um für einen der zwölf Plätze im Perspektivkader 2017 vorzuspielen. Mit dabei sind dann auch Nele Trommer vom TV Bitburg und Anouk Heyd von der MJC Trier. Qualifiziert haben sich beide Talente aus der Region bei einem Vorturnier des Projekts in Osnabrück, damals schafften es Trommer und Heyd als Einzige aus dem Saarland und Rheinland-Pfalz in den 24-köpfigen Regionalkader Nord. In Heidelberg treffen sie nun den 24-köpfigen Regionalkader Süd.

"Als ich erfahren habe, dass ich nach Heidelberg fahren werde", erinnert sich Trommer, "da bin ich fast aus der Hose gesprungen, ich habe mich so gefreut". Noch, so betont die 13-Jährige, sei sie ganz entspannt. "Aber wenn es dann so weit ist, werde ich sicher nervös sein." Ähnlich sieht das auch ihre Freundin Anouk Heyd. "Es ist ja noch ein bisschen bis dahin, aber es wäre natürlich perfekt, in den 12er Kader zu kommen. Ich werde auf jeden Fall alles geben."