Waldems | 20. März 2017 | Autor: Nadine Carstens

Schlaues Streicheln für Hund und Herrchen

Vieles löst bei Hunden Stress oder sogar Angst aus. Mit einfachen Entspannungsübungen ist manchen Tieren schon geholfen.
Waldems (dpa) Die meisten Hundebesitzer kennen die Situation: Gehen sie mit ihrem Vierbeiner zum Tierarzt, sträubt sich der Hund schon am Eingang mit allen Vieren, und auf dem Behandlungstisch beginnt er zu zittern. Manchen Tieren könnte da Entspannung helfen.
"Entspannungsübungen sind für jeden Hund sinnvoll", sagt Tierärztin und Verhaltenstherapeutin Katrin Voigt von dem Berufsverband für Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV). Sie erklärt, dass bereits Welpen an Entspannungsübungen herangeführt werden sollten, damit sie später problemlos alleine bleiben können.
"Jeder Hund ist mal aufgeregt, hat Stress oder Angst", sagt Voigt. Bestes Beispiel sei der Tierarztbesuch: "Früher wurde gesagt, man solle seinen Hund ignorieren, wenn er Angst hat, sonst würde man seine Angst verstärken. Das ist so nicht richtig und auch nicht haltbar." Wichtig sei, dass Hundebesitzer lernen, wie sie ihrem Hund aus der Angst helfen können. "Hierfür sind Entspannungsübungen perfekt", sagt Voigt.
Wichtig sei ein Entspannungstraining für Hunde, die in einer tiergestützten Therapie eingesetzt werden, ergänzt Hunde-Physiotherapeutin Karin Petra Freiling, die in Kursen regelmäßig Entspannungsmethoden vermittelt. "Wenn diese Hunde mit Kindern arbeiten, müssen sie immer Ruhe bewahren."
Infolge stressiger Situationen verspannen sich die Muskeln - und auf Dauer kann das im ganzen Körper Schaden anrichten. Anzeichen für Stress seien häufiges Hecheln, angelegte Ohren oder eine angespannte Mimik, erläutert Tierpsychologin und Tierheilpraktikerin Patricia Lösche aus Schleswig-Holstein. "Nervöse Hunde reagieren oft auch aggressiver als sonst oder wirken unaufmerksam, wenn sie unter Adrenalin stehen." Manche Hunde würden wiederum erstarren und regungslos stehen bleiben, ergänzt Voigt. "Andere Vierbeiner flüchten und wollen schnell weg. Meist ist die Körperhaltung eher klein und geduckt."
Ein gezieltes Entspannungstraining sei ein effizienter Weg, die Tiere zu beruhigen, meint Freiling. Wer regelmäßig Entspannungsübungen mit seinem Hund durchführe, baue außerdem Vertrauen zum Tier auf.
Das Ausstreichen der Ohren sei bereits eine effektive Übung: "Über das Ohr verteilt befinden sich viele Akupunkturpunkte, die den Organismus widerspiegeln", sagt Freiling. Hierbei stützt der Hundebesitzer mit einer Hand den Fang des Tieres und streicht mit der anderen Hand behutsam das Ohr von der Ohrmuschel bis zur Spitze - der Daumen liegt währenddessen auf der Außenseite des Ohres und der gekrümmte Zeigefinger auf der Innenseite.
Sehr beruhigend sei auch eine Übung, bei der man mit gewölbter Hand von der Nase des Hundes über den Kopf und die Wirbelsäule bis hin zur Rute streicht. "Bei scheuen Hunden verwendet man die Rückseite der Hand", sagt Freiling. Hundebesitzer sollten mit einer Hand das Tier stützen und mit der anderen Hand die sanften, längeren Berührungen ausführen, erklärt Freiling. "Dabei sollte man auf eine bewusste Atmung und ein lockeres Handgelenk achten - je entspannter der Mensch ist, umso mehr Ruhe kann er auf den Hund übertragen."

Bestimmte physiotherapeutische Übungen wirkten nicht nur beruhigend, sagt Lösche, sie könnten auch zur Hunde-Fitness beitragen. Ebenso könne das Gehirn von einer verbesserten Durchblutung und geistiger Anregung profitieren. "Nebenbei fördert das Training sowohl die Beweglichkeit als auch Konzentration und Koordinationsvermögen des Hundes."