Berlin/Hamburg/Wiesbaden | 21. April 2017 | Autor: dpa

Mehr Gewalttaten in Deutschland - aber weniger Einbrüche

Mehr Gewalttaten und weniger Wohnungseinbrüche: Erste Ergebnisse der Polizeilichen Kriminalstatistik sind bereits bekannt. Die Einzelheiten stellt Innenminister de Maizière am Montag vor.
Gewalttaten und Sexualdelikte haben in Deutschland nach Informationen der «Bild-Zeitung» im Jahr 2016 deutlich zugenommen. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist dagegen nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» erstmals seit zehn Jahren gesunken. Die beiden Medien berufen sich auf die neue Polizeiliche Kriminalstatistik, die Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Montag in Berlin vorstellen will. Weder das Bundesinnenministerium noch das Bundeskriminalamt wollten sich am Freitag vorab zu den Zahlen äußern. Die Gewaltkriminalität legte laut «Bild-Zeitung» (Freitag) 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent auf rund 193 500 Taten zu. Als Gewalttaten gelten in der Statistik Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen, aber auch Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Raub, Körperverletzung, gefährliche schwere und mit Todesfolge sowie erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme. Besonders stark zugelegt hätten Fälle von Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen: Sie stiegen um 14,3 Prozent auf gut 2400 Fälle, schreibt «Bild». Gravierend sei auch der Anstieg der Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung: um 12,8 Prozent auf mehr als 7900 Fälle. Allein in der Silvesternacht 2015/2016 hatten nach sexuellen Übergriffen in Köln und anderen deutschen Städten Hunderte Frauen solche Taten zur Anzeige gebracht. Der Wiesbadener Kriminalpsychologe Rudolf Egg sagte der Deutschen Presse-Agentur, Mord und Totschlag seien seit etlichen Jahren rückläufig, daher könne diese Zahl schon aufgrund statistischer Schwankungen wieder steigen. «Der Anteil der versuchten Taten ist zudem immer relativ hoch», sagte er mit Blick auf die Tötungsdelikte. Und: So manche Tat, die in der Polizeistatistik noch als Mord auftauche, stelle sich vor Gericht etwa als Körperverletzung mit Todesfolge heraus. Etwa 80 Prozent der von der Polizei erfassten Gewalttaten seien Raub und Körperverletzung. Allerdings hätten die Polizeistatistiken der Bundesländer auch «eine migrantisch bedingte Kriminalität in verstärktem Maße» zu Tage gebracht. Dies sei allerdings keineswegs überraschend, weil manche Zuwanderer aufgrund ihrer Alters- und Sozialstruktur «ein Bündel von Risikofaktoren» hätten: junge alleinstehende Männer, ohne Familie, schlecht integriert, mit geringer beruflicher Perspektive und möglicherweise ohne Bleibeperspektive, zählte Egg auf. Viele Taten beträfen Migranten untereinander und richteten sich nicht gegen «die deutsche Stammbevölkerung». Auffallend sei auch, dass vergleichsweise wenig vor Krieg und Verfolgung Geflüchtete darunter seien.