Trier/Bitburg/Wittlich/Daun | 20. März 2017 | Autor: Florian Schlecht

Wo das Bauen richtig ins Geld geht

Wer ein Haus in Trier kauft, könnte für die gleiche Summe zwei ebenso große Häuser in der Eifel erwerben. Ein neuer Bericht zeigt Preisscheren auf.
Trier/Bitburg/Wittlich/Daun Das Einfamilienhaus hat eine Wohnfläche von 145 Quadratmetern, befindet sich in guter Lage, hat alles vom Keller bis zum ausgebauten Dachgeschoss. Doch wie teuer dieses Haus ist, unterscheidet sich gewaltig danach, wo der Käufer in der Region leben will. Ein Beispiel: Wo das gleiche Haus Anfang des vergangenen Jahres in Trier noch 500 000 Euro gekostet hätte, wäre ein Käufer auf dem Land besser bedient gewesen: Im Eifel-Dorf Bleialf (Kreis Bitburg-Prüm) hätte das Haus 235 000 Euro gekostet, in Gillenfeld (Vulkaneifelkreis) 220 000 Euro - und in Großlittgen (Kreis Bernkastel-Kues) gar nur 215 000 Euro. Diese Preisschere zeigt der neue Grundstücksbericht des Landes (siehe Extra). Dieser weist Trier als drittteuerste Stadt des Landes aus - nach Mainz und Ingelheim, die beide im Rhein-Main-Gebiet liegen.
Wo der Traum vom Eigenheim richtig ins Geld geht, verdeutlichen auch die Preise pro Quadratmeter Bauland in der Region, wenn noch nicht mal ein Stein gekauft und ein Fundament gegossen ist. Wo manche Orte in Eifel und Hunsrück oft bei gerade mal 30 Euro pro Quadratmeter liegen, erreicht Trier bis zu 445 Euro pro Quadratmeter. Wer dann in der Stadt für ein 500-Quadratmeter-Grundstück mehr als 200 000 Euro zahlt, kann in manchen Dörfern mit weniger als 15 000 Euro rechnen.
Die Gründe für den Unterschied? Klar, viele Menschen ziehen die Stadt dem Land vor. Und auch Luxemburg trägt einen Anteil. Das wiederholte Innenminister Roger Lewentz (SPD) in Mainz. "Dort sind die Grundstückspreise noch deutlich höher, was viele Luxemburger seit Jahren in die Region Trier zieht." Denn: In Grevenmacher könnte das 500-Quadratmeter-Grundstück gleich bis zu 350 000 Euro kosten - und damit deutlich mehr als in Trier.
Gleichwohl geht aus dem Bericht hervor, dass der Anteil von ausländischen Grundstückskäufern deutlich zurückgegangen ist.
Die Preise steigen nach wie vor - besonders stark in grenznahen Gemeinden. In Echternacherbrück (Eifelkreis Bitburg-Prüm) sind laut dem Bericht die Bodenpreise in den vergangenen beiden Jahren um mehr als zehn Prozent in die Höhe geschnellt, in der ganzen Region Trier um 2,3 Prozent. In Rheinland-Pfalz liegen sie im gesamten Schnitt um vier Prozent höher.
Werner Langner vom Gutachterausschuss führt den Schub auf die niedrigen Zinsen zurück - und die damit verbundene hohe Nachfrage nach Immobilien.
Die Gefahr einer Blase wittert Minister Lewentz nicht. "Die Preise steigen im gesunden Maße", sagt er. Zugleich weiß der Innenminister von Dörfern, denen es an neuen Käufern fehlt und die Leerstände beklagen. In der Eifel bewegen sich die Bodenpreise im Schnitt fast gar nicht nach oben. "Die Gemeinden stehen vor der Aufgabe, die Infrastruktur mit Kindertagesstätten, Schulen und guter Anbindung an Geschäfte zu erhalten, um junge Familien anzulocken. Das geht aber ins Geld", sagt der Dauner Franz Reuter, der an dem Bericht mitwirkte.
Lewentz verweist darauf, dass das Land anerkannten Gemeinden für die genannten Anstrengungen in diesem Jahr rund 18,5 Millionen Euro zur Verfügung stellt - im Rahmen der Dorferneuerung, die Ortskerne stärken und wiederbeleben soll. Neu anerkannt aus der Region Trier sind Ayl, Gusenburg (beide Kreis Trier-Saarburg), Gerolstein-Müllenborn (Vulkaneifelkreis), Graach, Wolf in Traben-Trarbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) sowie Rommersheim (Eifelkreis Bitburg-Prüm).
WEM DER BERICHT HELFEN SOLL

Extra
(flor) Der Landesgrundstücksmarktbericht soll bauwilligen Bürgern, Investoren und Experten eine Hilfestellung bieten, um regionale Preise einordnen zu können. Gutachter wählten dafür 140 000 Grundstücksverträge aus, die aus den Jahren 2014 und 2015 stammen. Stichtag aller Preise ist der 1. Januar 2016. Rekordhalter bei einem 145-Quadratmeter-Wohnhaus in Rheinland-Pfalz ist Mainz. Dort würde es bis zu 555 000 Euro kosten, in Schmißberg (Landkreis Birkenfeld) dagegen vergleichsweise günstige 175 000 Euro - Tiefstwert im Land. Der vollständige Bericht kostet 90 Euro und ist in Vermessungs- und Katasterämtern erhältlich - ebenso online unter www.gutachterausschuesse.rlp.de Dort können Interessierte auch kostenfreie Inhalte des Berichts einsehen, ebenso unter www.volksfreund.de/extra