Gerolstein | 19. Mai 2017 | Autor: Mario Hübner

Der Präsident und das Wahrzeichen

Der Chef der Oberen Naturschutzbehörde besucht die Gerolsteiner Dolomiten. Er nennt das Gebiet schützenswert. Doch wann bekommt es tatsächlich einen neuen Status?
Gerolstein Ulrich Kleemann, Präsident der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord, die zugleich Obere Naturschutzbehörde des Landes ist, besuchte die Gerolsteiner Dolomiten. Die gehören zu einem Flora-Fauna-Habitat-Areal (FFH-Gebiet), einem Natura 2000-Gebiet und sind seit 1990 zu einem großen Teil unter Naturschutz gestellt. Vor zwei Jahren hat der Stadtrat von Gerolstein den Antrag gestellt, dass das Areal komplett (vom Lhoist-Steinbruch bei Pelm bis hin zum Gewerbegebiet Bewingen) unter Naturschutz gestellt wird. Zudem sind die Stadt und der Gerolsteiner Brunnen eine Kooperation eingegangen. Ziele: Das Munterley-Plateau mit den Gerolsteiner Dolomiten als Wahrzeichen der Stadt soll geschützt und somit das Landschaftsbild erhalten werden. Zudem sollen mögliche negative Folgen für die Trink- und Mineralwassergewinnung im Gerolsteiner Land verhindert werden. Dazu soll künftig in dem sensiblen Bereich sowohl Gesteinsabbau als auch Landwirtschaft tabu sein beziehungsweise stark eingeschränkt werden. Denn: Auf Pelmer Seite wird in dem Bereich bereits stark gegraben. Und die massiven Erweiterungspläne des Landesamtes für Geologie und Bergbau sehen noch deutlich größere Abbauflächen auf dem Areal vor. Außerdem werden auf dem Munterley-Plateau seit Jahren immer noch etliche Parzellen intensiv beackert.
Darüber hinaus ist beabsichtigt, im Rahmen der Kooperation zwischen Kommune und Unternehmen auch kleinere Projekte auf den Weg zu bringen: Naturerlebnispfade anlegen, ein Naturbildungszentrum installieren sowie Exkursionen für Kinder und Jugendliche veranstalten (der TV berichtete). Aktueller Anlass von Kleemans Besuch war zwar nur die in Kürze anstehende Veröffentlichung des FFH-Bewirtschaftungsplanes für das Gebiet. Solche Pläne erstellt die SGD Nord als Obere Naturschutzbehörde und koordiniert die Umsetzung der Maßnahmen zum Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume.
Dennoch wird dem Besuch in Gerolstein hohe Bedeutung beigemessen. So sagt Winfried Schegner, stellvertretender Bauamtsleiter im Gerolsteiner Rathaus, der bei der Exkursion dabei war: "Es ist ein gutes und wichtiges Zeichen, wenn der SGD-Präsident persönlich vorbeischaut und sich ein Bild von dem Areal macht. Und noch besser: Er hat es als schützenswert bezeichnet."
Eine konkrete Auskunft darüber, ob der Antrag auf Unterschutzstellung des gesamten Areals bewilligt wird, und falls ja wann, hat Kleemann aber nicht gegeben. Er meinte nur, dass derzeit geprüft werde, sich ein solches Verfahren aber erfahrungsgemäß hinziehe. "Ich freue mich, dass wir mit der Stadt Gerolstein als größtem Grundstückseigentümer im Schutzgebiet einen starken und aktiven Partner zum Schutz dieses einzigartigen Landstriches an unserer Seite haben.", bekräftigte Kleemann bei seinem Rundgang.
Bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten werden die artenreichen Kalkmagerrasen in diesem Bereich jährlich von Schafen beweidet. Im vergangenen Jahr wurden außerdem einige Bereiche gemulcht, sämtliche Nadelgehölze gefällt sowie Kalkmagerrasen und Wacholderbüsche freigestellt. Seit einigen Jahren wird auch der Kalkfelsen an Auberg und Munterley von Bewuchs freigehalten. Klemann betonte, dass das Gebiet durch eine hohe geologische und ökologische Vielfalt gekennzeichnet ist. Schwerpunkt sind dabei große Buchenwälder. Größenmäßig den zweiten großen Schwerpunkt bilden die Grünland-Mähwiesen.
Innerhalb des Areals liegen drei mitteldevonische Kalkmulden und zahlreiche quartäre Basalt- und Schlackenkuppen, die zu den höchsten Erhebungen der Vulkaneifel zählen. Zu den Besonderheiten zählen die Mühlstein- und Karsthöhlen als Schwarm- und Winterquartier mit bisher zehn nachgewiesenen Fledermausarten. Sie haben eine landesweite Bedeutung. Und das Kalkriff als eines der Wahrzeichen der Stadt Gerolstein hat laut Kleemann neben der naturschutzfachlichen Bedeutung eine besondere touristische, geologische und kulturhistorische Wichtigkeit.
Zurzeit werden die im Rahmen der Offenlage bei der SGD Nord eingegangen Stellungnahmen zum Entwurf des Bewirtschaftungsplanes "Gerolsteiner Kalkeifel" ausgewertet. Danach wird der Bewirtschaftungsplan endgültig veröffentlicht.
Auf dem etwa 8400 Hektar großen Areal wurden im Jahr 2016 insgesamt 14 Maßnahmen mit einer Gesamtsumme von rund 17 000 Euro im Rahmen der Biotopbetreuung durchgeführt. Für die Biotopbetreuung wurden im Bereich der SGD Nord im vergangenen Jahr mehr als 1,3 Millionen Euro ausgezahlt.
Extra: DAS SIND DIE GEROLSTEINER DOLOMITEN

Das Gebiet wurde im Jahr 1990 als Naturschutzgebiet "Gerolsteiner Dolomiten (Auberg, Munterley, Hustley, Papenkaule und Judenkirchhof)" ausgewiesen. Im Jahr 2005 wurde es mit weiteren Teilgebieten als FFH-Gebiet "Gerolsteiner Kalkeifel" in die Natura 2000 Gebietskulisse aufgenommen. Der aktuell aufzustellende Bewirtschaftungsplan ist eine Handlungsleitlinie. Darin wird beschrieben, welche Arten und Lebensraumtypen den besonderen ökologischen Wert des Gebietes ausmachen, welche Erhaltungsziele für das Gebiet gelten und welche Maßnahmen notwendig sind, um für die Arten und Lebensräume einen günstigen Erhaltungszustand zu erhalten oder wiederherzustellen.