Bernkastel-Kues | 14. April 2017 | Autor: Clemens Beckmann

Piazza, Barockgarten, Erlebniswelt

Auf dem Gelände der ehemaligen Weinbauschule in Bernkastel-Kues wird jahrelang gebaut.
Bernkastel-Kues Es ist ohne Zweifel eines der ambitioniertesten Projekte in der Geschichte der Stadt Bernkastel-Kues. Und wer dann auch noch erfährt, dass Michael Willkomm dahintersteckt, der weiß: Auf dem Gelände und in den Gebäuden der ehemaligen Weinbauschule in der Bernkasteler Altstadt wird etwas ganz Besonderes entstehen. Vor knapp zwei Jahren lag nur ein Entwurf eines Bebauungsplanes vor. Mittlerweile wird auf dem Gelände gearbeitet. "Das sind aber nur die Vorbereitungen", sagt Willkomm. Richtig losgehen werde es wahrscheinlich erst im kommenden Jahr - dann aber für etwa drei Jahre.
Willkomm erzählt viel über seine Pläne, ist aber bei manchen Punkten, wie bei anderen Projekten auch, eher vorsichtig. Über Geld spricht er nicht. Und er legt Wert darauf, dass er nicht der Alleininvestor ist, sondern die Subrosa GmbH & Co KG dahinter steckt. Wer da noch dabei ist, verrät er nicht. Was soll nun auf dem Areal passieren, dass von der fast 400 Jahre alten früheren kurfürstlichen Amtskellerei, die zuletzt als Weinbauschule diente, geprägt wird. Geplant sind unter anderem Wohnungen, ein Restaurant, ein Barocksaal, eine Tiefgarage mit ein oder zwei Stockwerken und eine Weinerlebniswelt. Letzteres liegt nahe, weil in Willkomms Leben der Wein eine wichtige Rolle spielt - als Chef der Peter Mertes KG, der größten deutschen Weinkellerei (etwa 390 Mitarbeiter).
Ein optischer Höhepunkt soll mit einer Piazza gestaltet werden. Der Hof vor der ehemaligen Weinbauschule soll mit Glas überdacht werden. Das Gelände könne dann, so Willkomm, auch für Veranstaltungen genutzt werden. Die Piazza kann auch als Verbindung vom Gestade zur Innenstadt genutzt werden. Michael Willkomm kann sich auch vorstellen, der Cusanus Hochschule Räume zur Verfügung zu stellen. Vor zwei Jahren wurde noch über Pläne für ein Hotel gesprochen. Das ist zurzeit kein Thema.
Manches von dem soll in einem Gebäude umgesetzt werden, das erst noch gebaut werden muss. Der sogenante Turm, der aber eher ein mehrstöckiges Gebäude war, soll rekonstruiert werden. Er war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Er stand an der Einfahrt, die vom Gestade in den Innenhof führt. Und da soll er, möglichst mit einer repräsentativen Zufahrt auch wieder hin. Der frühere Park soll zu einem Barockgarten umgewandelt werden, der tagsüber öffentlich zugänglich ist.
Weichen muss dafür der Doctorbrunnen, der vermutlich im Stadtpark gegenüber dem Moselkino, einen neuen Platz finden wird. Auch das auf der anderen Seite der Einfahrt liegende Haus Schröder werde saniert und in das Projekt integriert, sagt Willkomm. Dem Stadtrat wäre es recht, wenn auch das danebenliegende Hotel Burg Landshut zur Verfügungsmasse gehören würde. Es ist Willkomm anzumerken, dass auch er sich Gedanken darüber macht. Doch die Eigentumsverhältnisse geben das zur Zeit nicht her. Der Stadtrat befürchtet, dass das leer stehende Gebäude sich zu einem "Schandfleck" entwickeln wird. Er hat aber auch keine Handhabe.
Der Versuch, doch etwas über die Kosten in Erfahrung zu bringen, scheitert. Willkomm umschifft die Klippe elegant: "Natürlich ist das nicht mit 100 000 Euro getan", sagt er, "aber wird sind erfahrene und seriöse Kaufleute." Vieles sei auch noch offen beziehungsweise nicht bis ins Detail durchgerechnet. Auch die Belange des Denkmalschutzes spielten bei solch einem Projekt eine möglicherweise nicht unerhebliche Rolle. Stadtbürgermeister Wolfgang Port schätzt die Investition auf mehr als zehn Millionen Euro.
Was bewegt Willkomm so eine hohe Summe in solche Projekte zu stecken? "Ich mache so etwas gerne, es macht mir Spaß. Und ich sehe mich auch verpflichtet etwas für die Öffentlichkeit zu tun", erzählt er. Der Stadtrat hat dem Bauantrag zugestimmt. "Was da entsteht, wird der Stadt gut tun", sagt Grünen-Ratsfrau Gertrud Weydert.
Kommentar
Meinung
Ein Mann mit einem guten Händchen

Über Geld spricht Michael Willkomm nicht. Hauptsache ist, er hat es. Was könnte der Geschäftsmann damit nicht alles anfangen! Da fällt einem sicher einiges ein. Doch er investiert es lieber in Bauwerke in der Stadt, die ihm offenbar sehr am Herzen liegt. Und das Schönste dabei: Was er in die Hand nimmt gelingt. Darauf legt er auch viel Wert. Denn er weiß: Jede Bausünde geht mit ihm nach Hause. Wir sind alle nur begrenzt lange vor Ort. Die Bauwerke werden hoffentlich auch nachfolgende Generationen noch erfreuen. Leuten wie Michael Willkomm sei es gedankt. c.beckmann@volksfreund.de