Wittlich/Trier | 12. Juli 2017 | Autor: Markus Philipps

Von Paris über Wittlich nach Berlin: Historisches Rennen verbindet Nationen

Die Region wurde vor 116 Jahren von dem bis dahin größten Ereignis der Motorsport-Historie tangiert. Die legendäre "Wettfernfahrt Paris-Berlin 1901" hat zahlreiche Menschen erfreut und begeistert.
Als der europäische Motorsport noch in den Kinderschuhen stecke, verwandelte sich die Region Trier-Koblenz am 24. Juni 1901 kurzzeitig in den Schauplatz eines außergewöhnlichen Automobil- und Motorradrennens. Mit großer Neugierde empfing die Bevölkerung des Mosellandes einst die Teilnehmer der "Wettfernfahrt Paris-Berlin" in ihrer Heimat.

Das in drei Etappen (Paris-Aachen, Aachen-Hannover, Hannover-Berlin) unterteilte Rennen war mit einer mehrtägigen Automobil-Tourenfahrt verbunden. Diese führte ihre Teilnehmer vom 22. Juni 1901 an von Paris über Luxemburg, Trier, Koblenz, Frankfurt und Leipzig nach Berlin. Die Coblenzer Zeitung berichtete einst über die aufsehenerregende Fahrt durchs Moselland: "Der erste festliche Empfang fand in Trier statt, wo sich eine große Menschenmenge angesammelt hatte. Hier wurden den Gästen Flaschen mit Moselwein, mit Bändern in den französischen Farben verziert, zugereicht."

Die ersten Wagen trafen gegen 8 Uhr am Gebäude der königlichen Betriebsinspektion ein, wo zuvor ein Kontrollpunkt zur Erfassung der gefahrenen Zeiten eingerichtet wurde. Nach einem zweiminütigen Aufenthalt fuhren die Renn-Chauffeure über Biewer, Ehrang, Quint, Föhren, Hetzerath und Salmrohr nach Wittlich.

In der Säubrennerstadt warteten zahlreiche Bürger auf die Ankunft der Sportwagen, wovon ein detaillierter Bericht im Wittlicher Kreisblatt zeugt: "Die Automobilfernfahrt Paris-Berlin hatte am Montag schon um 8 Uhr morgens die ganze Bevölkerung unserer Stadt auf die Beine gebracht." Und: "Punkt 9 Uhr, zwei Minuten kam der erste Wagen Nr. 222, welchem nach sechs Minuten der zweite Nr. 226 folgte, der wie uns mitgetheilt wurde, in der Nähe von Bausendorf bei der scharfen Biegung der Chaussee eine kleine Spazierfahrt in die danebenliegende Wiese machte, aber gleich nachher wieder die Straße zu gewinnen wußte. Nun kamen in Abständen von einer bis 15 Minuten bis nach zwölf Uhr 41 Wagen, (darunter Nr. 249, der Wagen des Führers der Automobilfahrt, und Nr. 300, Wagen des Präsidenten des Pariser Automobilklubs und dessen Gemahlin)."
Es folgten noch sechs Fahrzeuge, "das letzte derselben passirte die Stadt um 9.15 Uhr". Als glückliches Ereignis darf es betrachtet werden, daß alle Wagen unsere theilweise sehr engen und schwierig zu befahrenden Straßen ohne Unfall in flottem Tempo durcheilten." Anschließend ging es weiter über Bausendorf und Bengel nach Alf, wo die ersten Fahrzeuge ab rund 9.30 Uhr an der dortigen Kontrollstation eintrafen.

Die Stadt Koblenz hatte für den Empfang der Rennfahrer eine besondere Ehrenpforte errichtet, an deren Spitze das Symbol "R.F." (République Française) die Angehörigen des Nachbarlandes willkommen hieß. Nach Angaben der städtischen Zeitung wurden die Automobilisten "laut und herzlich" empfangen.

Des Weiteren hieß es: "Die Bevölkerung begrüßte die Theilnehmer der Fahrt aufs Lebhafteste und überschüttete besonders die mit Damen besetzten Wagen mit einem wahren Blumenregen, welches in allen Fällen dankend quittiert wurde." Und weiter: "Alles schrie und winkte und entbot den Pariser Damen und Herren den Willkommensgruß des deutschen Landes. ,Heil’- ,Hurrah’- und "Vive la France"-Rufe ertönten."
Extra: Daten und Fakten
Die Wettfernfahrt Paris-Berlin wurde vom 27. bis 29. Juni 1901 auf einer Distanz von 1196 Kilometern ausgetragen. Es traten 109 Fahrer in vier Fahrzeug-Gewichtsklassen an. Die Gewinner hießen Henri Fournier (auf Mors, schwere Klasse) François Giraud (auf Panhard, leichte Klasse), Louis Renault (auf Renault, Voiturettes) und Georges Osmont (auf De Dion-Bouton, Motorräder).