Mertesdorf/Saarburg | 17. Juli 2017 | Autor: Harald Jansen

Der teuerste Müll-Transport aller Zeiten im Kreis Trier-Saarburg

Für 18,5 Millionen Euro wird alter Müll von Saarburg nach Mertesdorf geschafft. Das soll möglichst geräusch- und geruchslos vonstattengehen.
Wo heute noch alter Müll lagert, sollen sich nach 2020 Wanderer an einem Bachlauf erfreuen. Das ist das Ziel des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART). Das hört sich nicht nur nach einer Herkulesaufgabe an, die nach aktueller Schätzung rund 18,5 Millionen Euro kosten wird. Es ist auch eine. Doch zuvor müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein.

Der Transport Der ART geht davon aus, dass 220 000 Kubikmeter Müll transportiert werden müssen. Das sind rund 7300 Fahrten mit einem Sattelauflieger und entspricht ungefähr dem Volumen des Zeppelins Hindenburg. Diese Menge an Mülltransporten sollte nicht durch Konz-Könen fahren. Deshalb war eine Grundbedingung für das Unternehmen, dass die Ortsumgehung um den Konzer Stadtteil fertiggestellt ist. Das wird in den kommenden Wochen so sein. Nach dem 23. August ist die Strecke befahrbar. Mülltransporte nach Mertesdorf sollen dort jedoch erst von Anfang 2019 bis Ende 2020 laufen.
Die Strecke führt von der Deponie in der Nähe von Saarburg zur B 51 beim Tobiashaus und von dort aus über die Umgehung Könen, über die B 49 durch Trier hin zur A 602. Ab der Ehranger Brücke geht es dann über die L 151 zum Entsorgungs- und Verwertungszentrum Mertesdorf (siehe Grafik). Vermutlich relativ zeitgleich mit der Eröffnung der Ortsumgehung ist in Mertesdorf auch genügend Platz für den Saarburger Müll. Auf der Deponie wird nämlich seit Juni 2016 ein eigener Bereich für die Aufnahme der Altabfälle aus der ehemaligen Hausmülldeponie Saarburg errichtet (der TV berichtete). Dieser Deponieabschnitt wird laut ART im August fertiggestellt sein.

Der Geruch Laut Zweckverband seien 2012 probehalber rund 520 Kubikmeter Abfall von der Deponie Saarburg zur Deponie Mertesdorf gebracht worden. Dabei sei untersucht worden, ob es in der Nähe des Aushubbereichs und an den Transportwegen zu Geruchsbelästigungen kommt. An der Ortsdurchfahrt Könen seien keine auffälligen Gerüche auf dem Gehweg unmittelbar neben der Straße ausgemacht worden. Gerüche seien hingegen bis zu einer Entfernung von 100 Metern vom Rand des Bereichs festgestellt worden, wo Müll ausgegraben war. Zudem hatten Vertreter von Mertesdorfer Anrainergemeinden die Möglichkeit, sich von möglichen Gerüchen bei der Umlagerung von Abfällen zu überzeugen. Es seien im Umfeld der Deponie keine Geruchsbelästigungen entstanden.

Warum wird der Müll transportiert? Die Hausmülldeponie Saarburg war von 1955 bis Ende 1995 in Betrieb. Eine heutzutage übliche sogenannte Basisdichtung ist nicht vorhanden. Die Abdichtung verhindert, dass belastetes Wasser ins Erdreich läuft. In Saarburg wird dieses Sickerwasser laut ART "nur unzureichend erfasst". Eine Sanierung der Deponie ist aufgrund der vorhandenen Gesteinsschichten und topografischen Lage nach Meinung von Gutachtern nicht realisierbar.

Was geschieht mit dem Deponiegelände? Auf der ehemaligen Hausmülldeponie lagern rund 88 000 Kubikmeter Abdeckboden. Davon werden laut ART rund 8000 Kubikmeter nach dem Abtransport genutzt, um die Fläche wieder zu rekultivieren. Ziel ist, das derzeit mit Müll zugeschüttete Kerbtal wiederherzustellen, "in dem der ursprüngliche Mittelgebirgsbach offen in einem Pflanzensaum verläuft. Anschließend wird das Tal in das Wanderwegenetz eingebunden."
Extra: DIE MILLIONEN LIEGEN BEREIT

18,5 Millionen Euro wird es kosten, die Deponie in Saarburg zu räumen und den Müll in Mertesdorf zu lagern. Darin enthalten sind auch Nachsorgekosten. Nach Auskunft des Zweckverbands ART ist das Geld dafür bereits vorhanden. Es wurde über die Abfallgebühren der vergangenen Jahrzehnte bereits angespart.